Fun-Skater Krefeld e.V.
 
Mittwoch, 15. August 2018
DM der blinden und sehbehinderten Skater PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 19. Mai 2011 um 15:13 Uhr

Sportliche Leistungen der außergewöhnlichen Art . . . . .

. . . . . waren am 08.05.2011 in Kerpen zu sehen. Hier fand nun schon zum zweiten Mal

die Deutsche Meisterschaft der blinden und sehbehinderten Skater über die Halbmarathondistanz statt. Die Veranstaltung war in den 5. SSK Kerpen Inline-Day eingebunden.

Naturgemäß ist es sehbehinderten oder ganz blinden Menschen je nach Sportart nicht möglich, diese gänzlich ohne fremde Hilfe auszuüben.
Die fremde Hilfe war in diesem Fall in Form von Begleitskatern, „Piloten“ genannt, erforderlich. So kam auch ich mit ins Spiel.

Bereits vor drei Jahren entstand ein erster Kontakt zu einer Gruppe blinder und sehbehinderter Skater, die der Roll- und Eissportabteilung des 1. FC Nürnberg angehören. Ich hatte in der Skate-IN eine Anfrage gelesen, sehbehinderte Skater bei hier anfallenden Wettkämpfe zu begleiten.

Ich sagte der Anfrage zu und wurde einige Wochen später dem 27jährigen Johannes, der mit seinem Verein aus Nürnberg angereist war, in einem ersten Rennen in Langenfeld als „Pilot“ zugeteilt. Johannes hat eine hochgradige Sehbehinderung der Klasse B2, was bedeutet, dass sein Sehkraft unter 3 % liegt. Er erzählte mir, dass er lediglich Hell- und Dunkeltöne wahrnehmen und sehr schwach Konturen erkennen könne. Dem gegenüber sind Menschen der Klasse B1 vollständig blind, während die der Klasse B3 noch in der Lage sind sich selbstständig zu orientieren. Für einen Wettkampf gibt es daher auch unterschiedliche Regelungen. Vollständig blinde Skater dürfen an der Hand geführt werden. Johannes hingegen ist lediglich ein Körperkontakt zu seinem „Piloten“ im Rahmen des im Rennen üblichen Windschattenfahrens erlaubt.

Um uns rechtzeitig auf einander einstellen zu können, hatten Johannes und ich uns damals in Langenfeld schon frühzeitig verabredet. Ich war überrascht, wie selbstverständlich er und auch seine Mitstreiter mit ihren Handicaps umgingen und angesichts des nun bevorstehenden Events eine absolut ausgelassene Stimmung verbreiteten. Schnell wurde mir klar, dass eine überbetonte Vorsicht ob der Behinderungen der Sportler völlig unangebracht war.

Auf einer ersten Proberunde stellte ich fest, dass Johannes erstaunlich gut drauf war. Er war in der Lage, frei hinter mir her zu fahren. Wie sonst auch üblich wird zu dichtes Auffahren mit Handauflegen auf den Vordermann abgebremst. Ich musste mich anfangs weniger auf sein Fahrvermögen, als vielmehr auf die Beschreibung der Strecke und der Rennentwicklung konzentrieren. Dazu gehört u. a. das Ansagen von Kurven, Bodenwellen, Gullis, Bordsteinen, überholenden und zu überholenden Mitstreitern usw. Doch irgendwann lief es wie von selbst und wir brachten dieses Rennen in einer guten Zeit, und vor allem sturzfrei, zu Ende. Das war unsere erste Begegnung in Langenfeld.

Letztes Jahr kündigten sich die Nürnberger dann erstmals zur deutschen Meisterschaft der blinden und sehbehinderten Skater in Kerpen an und auch hier bildeten Johannes und ich wieder ein Team. Die Kennenlernphase hatten wir ja bereits im Vorjahr hinter uns gebracht, so dass wir nun schon recht eingespielt an den Start gehen konnten. Bei optimalem Wetter galt es einen knapp 1,5 km langen Rundkurs 13,5 Mal zu durchfahren. Am Ende sprang der deutsche Meistertitel in Johannes’ Alters- und Behinderungsklasse und ein neuer deutsche Rekord in einer Zeit von 1:00:11 h heraus.

Gerade die Zeit aus dem Vorjahr war es nun, die Johannes in diesem Jahr in Kerpen knacken  wollte. Anfangs stapelte er etwas tief, indem er sagte, dass er dieses Saison bislang nur mäßig trainiert hätte. Die Startphase begann dann tatsächlich etwas verhalten, doch mit zunehmender Sicherheit konnten wir insbesondere auf den kräftigen Rückenwindpassagen und auf einigen kurzen Pflasterstücken Boden gut machen. Hier schalteten viele der gehandicapten Teilnehmer verständlicherweise einen Gang zurück. Leider kam es auf einer dieser schnelleren Passagen noch zu einem Sturz einer vollständig blinden Teilnehmerin. Hierbei spreche ich ausdrücklich nicht von Schrittgeschwindigkeit, sondern von einem Tempo von ca. 30 km/h. Unabhängig von den Folgen des Aufpralls, finde ich die Vorstellung, im Moment des Gleichgewichtverlustes nichts sehen zu können, doch äußerst unangenehm.

Aber: Auch diese Teilnehmerin kämpfte sich mit ihrem „Piloten“ noch wacker ins Ziel, wobei die Freude über das Erreichte den Folgen des Sturzes zu überwiegen schien. Alle Achtung! Gerechterweise gewann Sie bei einer späteren Verlosung dann aber noch einen Freistart für den Köln-Marathon.

Ach ja, für Johannes hat es übrigens gereicht: Bei absolut sommerlichen Bedingungen fuhren wir in einer Zeit von 0:56:28 h über die Ziellinie, was erneut den deutschen Meistertitel und die Verbesserung des deutschen Rekords über die Halbmarathondistanz bedeutete.

Der Tag hat erneut großen Spaß gemacht und ich werde auch bei zukünftigen Veranstaltungen wieder mit dabei sein. Johannes brachte zum Abschied noch einmal seinen Dank an alle „Piloten“ zum Ausdruck, ohne die für ihn und sein Team dieser Sport in dieser Art nicht wäre. Gerne, Johannes!

Alex Lippmann

 
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